Studium Molekulare Biowissenschaften

Biochemie - Was ist das?

Nun, eigentlich spricht ja schon der Name für sich, genauso wie der Begriff Molekularbiologie: Es geht um die Chemie von "Biomolekülen". Und schon sind wir genauso schlau wie vorher, es sei denn, jemand sagt uns, was das überhaupt für Moleküle sind.

Also, vor allem vier Klassen von Molekülen sind der Gegenstand biochemischer Untersuchungen: Zucker, Lipide, Nukleinsäuren und Proteine. Besonders die letzten beiden erfreuen sich gegenwärtig größter Popularität -aus gutem Grund: Schließlich ist die komplette Erbinformation in Nukleinsäureform gespeichert. Und Proteine sind wahre Alleskönner: Als Enzyme stellen sie höchst effektive Maschinchen dar, die alle denkbaren Funktionen in einer Zelle übernehmen. Außerdem bilden sie das Gerüst, das die Zelle in Form, aber auch in Bewegung, hält. Nicht zuletzt fungieren sie als Sender und Empfänger und erlauben so der Zelle den Kontakt mit der ganzen übrigen Welt.

Na, dann wissen wir ja jetzt Bescheid. Oder doch nicht? Wohl kaum. Biochemikerinnen und Molekularbiologinnen stellen eine ganze Menge Fragen an "ihre" Moleküle. Zum Beispiel: Wie funktioniert denn nun mein Protein genau? Wie sieht es überhaupt aus? Wie arbeiten verschiedene Proteine zusammen? Welche Aufgabe hat mein Protein in einer Zelle? Wann hat es seine Aufgabe zu erfüllen? Wer gibt dazu eigentlich den Startschuss? Und wie ist das mit der DNA? Wer liest die Erbinformation ab und wann überhaupt? Wie kommt es, dass eine Nervenzelle mit bis zu einem Meter Länge anders aussieht als ein winziges weißes Blutkörperchen, obwohl beide über genau die gleiche Erbinformation verfügen?

Das sind Fragen über Fragen, und es gibt auch schon einige Antworten. Nur: Wie kommt man da ran? Um ehrlich zu sein: Man steht zehn oder zwölf Stunden am Tag im Labor, hört leichte Muse im Radio und mixt klare Flüssigkeiten mit anderen Flüssigkeiten in Mengen, die nur ungefähr einem Wassertropfen entsprechen. Anschließend stellt man sein klares Gemisch eine Weile irgendwo hin, wo es kalt oder warm ist. Hinterher versucht man, das Ganze in der Art sichtbar zu machen, dass es die gewünschte Information liefert (Einige Methoden, die das ermöglichen, lernt man während des Studiums kennen). In aller Regel ist das nicht der Fall, und: Gehen Sie zurück auf Los, ziehen Sie keine viertausend Mark ein...

Manchmal, ganz, ganz selten findet man denn doch etwas heraus, zumeist nicht das, was man erwartet hat, aber das macht die ganze Sache ja eigentlich spannend. Und: sonst wäre die Experimentiererei ja vollkommen überflüssig.

Was lernen wir nun daraus - außer, dass man am besten frühzeitig seine Frustrationstoleranz trainiert?

Wie alle Naturwissenschaften basiert die Biochemie auf dem Experiment. In der Regel gibt es also eine Idee oder Hypothese (ausgehend von irgendetwas, das man mal gelesen hat) und denkt sich irgendeinen Versuch aus, mit dem man glaubt, die Idee überprüfen zu können. Meistens klappt das nicht, und man stellt sich die Frage: War’s nur der Versuch oder müssen wir die ganze Idee verwerfen? Da zumeist Murphys Gesetz (Was schief gehen kann, geht auch schief.) zu seiner vollen Geltung kommt, geht man in der Regel davon aus, dass die Hypothese stimmt und nur das Experiment schiefgelaufen ist, bloß um (nach Wochen) festzustellen, dass die Hypothese doch falsch war. Also stellt man eine neue auf, und das Spiel beginnt von vorn. Allerdings: Experimente können mehr oder weniger schiefgehen. Das große Geheimnis ist, aus denen, die weniger schiefgegangen sind, etwas Produktives herauszuholen. Und so kommt man zu einer neuen Hypothese, und das Spiel beginnt von vorn..Irgendwann in diesem Kreislauf hat man vielleicht einmal genug interessantes Material gesammelt und kann es — Ziel aller schweißtreibenden Arbeit (?!) — in einer Fachzeitschrift publizieren.

Was braucht man, um bei diesem Spiel mitspielen zu können? Von dem ganzen Faktenwissen, das man im Studium so mitbekommt und das man direkt danach zum größten Teil wieder vergisst, wollen wir hier nicht reden. Das diffuse Halbwissen von allem, das bleibt, sollte jedoch keinesfalls vernachlässigt werden. Dazu kommt die Fähigkeit, die Literatur zum Thema sinnvoll und kritisch zu erarbeiten, sprich: Unnützes von guten Ansätzen zu trennen bzw. zu erkennen, was für die eigene Arbeit relevant ist und was nicht. Am wichtigsten ist wohl die Vorstellung davon, mit welchen Methoden man eine Fragestellung angehen kann und mit welchen nicht. Das heißt auch, dass man gegenüber der eigenen Arbeit eine gehörige Portion Skepsis entwickelt und genau hinterfragt, ob das Experiment eine so weitreichende Interpretation zulässt, wie man es gerne hätte.

Tja, nun sind wir immer noch nicht besonders schlau, was die Biochemie betrifft. Der Rest lässt sich wohl nur erfahren, wenn man sich das Ganze mal anschaut oder es einfach selbst ausprobiert.

Studiengänge

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