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Markierte Gene – programmierte Zellen

400 Experten beim Mosbacher Kolloquium zum Thema „Epigenetik“

(19.03.2008) Ob in der Embryonalentwicklung, bei der Gewebebildung oder der Anpassung an veränderte Bedingungen: Im Leben von Mensch und Tier ist es entscheidend, dass zur richtigen Zeit jeweils die die richtigen Gene an- oder abgeschaltet werden. Ein Weg, zelluläre Genaktivitäten langfristig zu steuern, sind reversible Markierungen am Erbmaterial, die auf Tochterzellen und manchmal auch auf Tochterorganismen erblich übertragen werden können. Mit biochemischen Prozessen dieser Art und ihrer Funktion befasst sich die junge Wissenschaft der Epigenetik. Sie steht im Mittelpunkt der Tagung „Epigenetics – Molecular Principles and Mechanisms“, zu der sich von 27. bis 29. März mehr als 400  Wissenschaftler aus aller Welt im badischen Mosbach versammeln. Veranstalter ist die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM), die damit bereits zum 59. Mal zum so genannten „Mosbacher Kolloquium“ lädt.

„Im Gegensatz zu genetischen Veränderungen, den Mutationen, die ja ebenfalls erblich übertragbar sind und die Genaktivität beeinflussen können, sind epigenetische Veränderungen umkehrbar“, erklärt Mario Noyer-Weidner, einer der wissenschaftlichen Organisatoren des Kolloquiums. „Sie können gelöscht beziehungsweise reetabliert werden.“

Diese „metastabile“ Programmierung der Gen-Aktivität ist entscheidend für die geordnete Entwicklung komplexer Organismen. Ohne sie wäre das Heranwachsen einer befruchteten Eizelle zu einem Lebewesen mit unterschiedlichen Zellen undenkbar. Aber auch der ausgereifte Körper ist auf funktionierende epigenetische Steuerung angewiesen: „Störungen der  epigenetischen Kontrolle können beispielsweise zu Krebserkrankungen führen“, sagt Noyer-Weidner. „Die Epigenetik hat eine zentrale Bedeutung in der Stammzell- und Reproduktionsbiologie. Außerdem haben epigenetische Kontrollebenen eine wichtige Rolle als Mittler zwischen umweltbedingten Einflüssen und deren genetischer Interpretation.“

Um die biologische Markierung von Genen und epigenetische Steuerungs-Mechanismen – den Wissenschaftlern unter Schlagworten wie „DNA-Methylierung“ oder „Chromatinmodulation“ geläufig – drehen sich insgesamt 25 Vorträge an den zweieinhalb Konferenztagen. Führende Stanmzellforscher wie Rudolf Jaenisch vom Massachussetts Institute of Technology in den USA sowie Hans Schöler aus Münster zählen zu den prominenten Gästen.

Ein besonderer Höhepunkt wird die Verleihung der Otto-Warburg-Medaille sein, der höchsten in Deutschland vergebenen Auszeichnung für Biochemiker. Eine Posterausstellung und Veranstaltungen für studentische Teilnehmer begleiten das Tagungsprogramm.

Die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM)  ist mit etwa 5500 Mitgliedern aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie Deutschlands größte Fachgesellschaft für die Biowissenschaften.

Das Mosbacher Kolloquium ist seit 1950 die alljährliche internationale Frühjahrstagung der GBM.  Für Journalisten ist die Teilnahme am Kolloquium frei, um Anmeldung (s.u.) wird gebeten. Der Kongress findet in englischer Sprache statt.

Informationen und Pressekontakt: Manfred Braun, Geschäftsstelle der GBM, Mörfelder Landstr. 125, D-60598 Frankfurt a.M. Tel.: 069 – 660 567-12 (während der Tagung: Tel. 06261 – 92 92 -0) Email: braun@gbm-online.de

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