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Susan Lindquist erhält die Warburg-Medaille

US-Wissenschaftlerin erforschte die molekularen Grundlagen von Alzheimer und BSE

(05.03.2008) Wenn Kühe an BSE erkranken oder Menschen an Parkinson oder Alzheimer, sind die Ursachen – so weit man heute weiß – im Prinzip sehr ähnlich: Es handelt sich um eine Art „Missbildungen“ auf  molekularer Ebene. Bestimmte  Proteinmoleküle haben sich falsch gefaltet, haben eine krankmachende Konformation eingenommen. Zur Aufklärung der Mechanismen dieser Proteinfaltung hat die US-Wissenschaftlerin Susan Lindquist entscheidend beigetragen. Für ihre Arbeit erhält Lindquist am 27. März im badischen Mosbach die Otto-Warburg-Medaille, die höchste Auszeichnung für Biochemiker und Molekularbiologen in Deutschland.

Proteine werden vielfach als die „Bausteine des Lebens“ bezeichnet. Im Unterschied zu Bausteinen sind sie allerdings nicht starr, sondern flexibel und können ganz verschiedene dreidimensionale Strukturen einnehmen. Die räumliche Anordnung der kettenförmigen Moleküle, ihre Faltung, ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Prof. Susan Lindquist vom  Massachussetts Institute for Technlogy (MIT) in den USA ist seit den siebziger Jahren fasziniert von Fragen der Proteinfaltung – und sie fand heraus, dass deren Mechanismen zahlreiche biologische Prozesse steuern. Sie geben den Ausschlag, ob eine Zelle Stress wie beispielsweise Erhitzung oder Gifteinwirkung überleben kann. Um- und Neufaltungen von Proteinen entscheiden, ob diese Proteine aktiv werden oder „still“ bleiben, ob und wie sich genetische Veränderungen (Mutationen) auswirken, und auch die Gedächtnisbildung im Gehirn könnte durch Proteinfaltungs-Prozesse an den Synapsen der Nervenzellen gesteuert werden.

Kein Wunder, dass Störungen dieser Mechanismen an vielen Krankheitsbildern beteiligt sind: Alzheimer, der „Veitstanz“ Chorea Huntington und Parkinsonismus gehören wahrscheinlich dazu. Und wenn veränderte Proteine ihre Fehlfaltung auf andere übertragen können, werden sie regelrecht infektiös wie Viren oder Bakterien – man nennt sie dann „Prionen“. Solche Prionen lösen etwa den Rinderwahn BSE oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aus.

„Susan Lindquist hat bahnbrechende Entdeckungen zur Proteinfaltung gemacht“, erklärt Prof. Alfred Wittinghofer, Präsident der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM). „Viele Erkrankungen von Mensch und Tier verstehen wir erst, seit wir Lindquists Ergebnisse kennen. Und wenn man diese Krankheiten vielleicht einmal heilen kann, hat sie sicher einen entscheidenden Anteil daran gehabt.“

Die Ehrung
Prof. Susan Lindquist wird die Otto-Warburg-Medaille am Donnerstag, 27. März, um 16.00 Uhr im Tagungszentrum von Mosbach/Baden in Empfang nehmen. Im Anschluss an die Verleihung wird Lindquist in einer Vorlesung über ihre Arbeit berichten.

Die Otto-Warburg-Medaille, sponsored by QIAGEN
Die Otto-Warburg-Medaille wird seit 1963 alljährlich von der Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) verliehen und gilt als die höchste in Deutschland vergebene Auszeichnung für Biochemiker. Sieben der bisherigen Preisträger wurden später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Seit 2007 präsentiert und unterstützt die QIAGEN GmbH die Warburg-Medaille. Die Auszeichnung ist mit 25 000 Euro dotiert.

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